Kommentarantwort zu Anfängerprobleme

Ich antworte dem Benutzer mit diesem Post, weil ich glaube, dass viele Linux-Anfänger sich die gleichen Fragen stellen.
Ich beantworte den Kommentar stückchenweise in diesem Post. Der Kommentar wurde unter diesem Artikel gepostet.

Ich bin Anfänger und komme leider über dieses Stadium nicht hinaus. Mir ist noch nicht ganz klar, warum so viele Leute so begeistert sind von Ubuntu oder Linux. Wenn mir das doch mal bitte Einer erklären könnte.

Wir sind so begeistert von Ubuntu/Linux, weil es ein stabiles, freies System ist. Wenn dir etwas nicht gefällt, dann installierst du einfach ein anderes Softwarepaket, welches dir gefällt und das beschränkt sich nicht nur auf „normale“ Programme wie Browser etc..
Du kannst alles Wechseln!
Du kannst deine grafische Oberfläche wechseln, wenn sie dir nicht gefällt (KDE, Gnome, Pewm und viele viele mehr).
Du kannst deinen Kernel (Der Betriebssystemkern der zentrale Bestandteil [des] Betriebssystems ist) selber bestimmen und verändern.
Du weißt einfach was auf deinem System abgeht!
Es ist natürlich alles mit etwas Arbeit verbunden, aber viele Distribution machen einem den Einstieg doch relativ einfach.

Wenn ich mir die Befehlskette anschaue, die ich formulieren muss, um eine einfache Suchaufgabe zu lösen (ubuntu@ubuntu:~/test$ grep Funktion test1.txt), sehe ich mich in die DOS-Anfänge vor 25 Jahren zurückversetzt. Auch da musste ich in die Befehlsebene abtauchen und alle Befehle und ihre Optionen auswendig wissen. Mir ist bekannt, dass diese Formulierung ein Frevel bedeutet, ich weiß nur nicht warum.

Ob man die Shell (Kommandozeile) benutzen sollte kommt auf die Situation drauf an.
Einfache Suchbefehle können auch problemlos über die grafische Oberfläche ausgeführt werden, wenn man allerdings eine ausgefeilte Suche starten möchte, dann bietet sich die Shell an, denn die grafischen Oberflächen greifen meist auf Befehle zurück, welche man auch direkt in der Shell ausführen kann.
Der Vorteil an der Shell ist nun, dass in grafischen Oberflächen häufig nicht alle Optionen der Befehle implementiert sind, diese bieten häufig nur Standardprofile, welche nicht in jeder Situation effektiv sind. Das heißt man kann in der Shell häufig schnellere, bessere und übersichtlichere Ergebnisse erzielen.

Man muss auch nicht alle Befehle/Optionen auswendig wissen. Es reicht wenn man einen Grundschatz an Befehlen kennt. Man kann auch zu fast jedem Befehl mit dem Befehl man [Befehl] eine Dokumentation erhalten, welche alle Möglichkeiten aufzeigt.
Nur FYI, wenn ich ein Video einfach schnell konvertieren möchte, dann kämpfe ich mich auch nicht durch die Dokumentation von FFmpeg, um das beste Ergebnis herauszubekommen, sonder greife auch auf Programme wie z.B. WinFF zurück. Es ist immer die Frage: Wie gut soll mein Resultat sein? Lohnt es sich die Mühe zu investieren?

Ich kann sagen, dass sich die Mühe in den meisten Fällen lohnt, wenn man z.B. ein Programm installieren möchte, dann will ich mich nicht durch die grafische Oberfläche wühlen, sondern ich gehe einfach in die Shell und installiere mein Programm mit: apt-get install [Programmname]. Es geht für mich schneller und das System muss sich nicht mit der Grafik rumquälen, obwohl das heutzutage wohl nicht zwangsläufig ganz so schlimm ist.

Die Erklärung oben ist sicher mustergültig. Aber wo schreibe ich die Befehle denn hin? Muss ich denn immer den kompletten Pfad hinschreiben, wenn die Datei zum Beispiel auf einem anderen Laufwerk ist? Auch ist mir nicht klar, wozu man hier die Zeichen ~/ benötigt (vermutlich seid ihr schon lange nicht mehr auf so viel Ignoranz gestoßen).

Zunächst einmal: Laufwerke wie unter Windows gibt es in dem Sinne nicht unter Linux. Unter Linux hängt man Festplatten/Partitionen im Filesystem ein, also in der Ordnerstruktur von daher musst du dich nicht durch Laufwerke quälen.
Man muss die Befehle natürlich in die Shell eingeben, welche du unter Ubuntu so findest: „Anwendungen -> Zubehör -> Terminal“. Die Wörter „Terminal“, „Shell“, „Kommandozeile“ oder auch „Konsole“ meinen alle das selbe.
Zum Thema mit den Pfaden schreibe ich einen eigenen Artikel. Hier klicken

Ach, wie wünschte ich mir, dass der Rechtsklick bei Ubuntu hilfreicher wäre und mich gleich beim Suchen in einem bestimmten Laufwerk (die bei mir alle Volume heißen) und Unterordner unterstützen würde. Ich habe mich inzwischen so an kontextbezogene Menüs gewöhnt und für mich ist Ubuntu ein echter Rückschritt.

Manchmal muss man sich einfach etwas um gewöhnen. Wenn du beispielsweise Ubuntu benutzt mit Nautilus als Filebrowser, dann kannst du auch ganz simpel suchen indem du oben auf die Lupe klickst.
Oder generell kannst du auch über Orte -> Nach Dateien suchen, suchen. Ein Betriebssystemwechsel ist wie ein Automarkenwechsel, da muss man auch erst mal schauen wie der Rückwärtsgang eingelegt werden kann oder wie das Licht angeht.

Vielleicht sollte ich als nächste neue Vokabel grep lernen, viele schwärmen von diesem Begriff, das habe ich schon gemerkt. Vielleicht lerne ich dann auch einmal, wann und warum man bei so trivialen Suchaufgaben auch mit den Zeichen Dach, Dollarzeichen, Tilde, Sternchen etc. operieren muss, das haben sich sicher benutzerferne Programmierer ausgedacht.

Das mag zwar benutzerfern sein, aber die „Zeichen“ (Reguläre Ausdrücke) sind auch nicht für triviale Suchaufgaben gedacht, sondern für Komplexes suchen mit verschiedenen allgemeinen Möglichkeiten, da kommt man um Formalitäten nicht herum. In dem Artikel wollte ich nur kurz die Möglichkeit vorstellen und das ganze sollte einfach gehalten werden. Reguläre Ausdrücke sind im Grunde für „Profis“, der normale Nutzer sollte auch ohne sie auskommen.

Mit eurer Hilfe werde ich vielleicht doch noch leidenschaftlicher Ubuntu-Benutzer.
Vielen Dank.

Ich hoffe dieser Artikel hilft dabei 🙂

Ein Gedanke zu „Kommentarantwort zu Anfängerprobleme

  1. Di Lauro

    Super Blog, befinde mich gerade in der Einstiegsphase und muss sagen das ich, wie wahrscheinlich viele, ziemlich windowsverseucht bin und die Umgewöhnung wirklich schwierig ist. Aber es macht Spaß, ich fühl mich gerade wieder wie zu C64 Zeiten als auch alles NEU war.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.